Goldener Sonnenuntergang über den Dächern von Paris

Ich habe das große Glück daß ich für meine Firma ein paarmal im Jahr zu einem Kunden in Frankreich, in der Nähe von Paris, fahre. Meistens bleibe ich dann noch ein paar Tage in Paris, um mir die Stadt anzuschauen und zu fotografieren. Immer wieder aufs neue bin ich von der Schönheit und der Vielfalt vom Paris überwältigt. Neben den bekannten Fotomotiven wie dem Eiffelturm, Notre Dame oder dem Triumpfbogen bietet Paris auch viele weniger bekannte Motive wie z.B. die Hochhäuser von La Defense. Aber auch das rege Leben in den Straßen von Paris finde ich immer wieder aufs neue faszinierend. Heinrich Heine schrieb vor fast zweihundert Jahren :

Wenn der liebe Gott sich im Himmel langweilt, dann öffnet er das Fenster und betrachtet die Boulevards von Paris

Immer wenn ich in Paris bin, muß ich an Heinrich Heines Worte denken.

Der Tour Montparnasse ist sicher nicht das schönste Gebäude von Paris, er ist aber mit 59 Stockwerken nach dem Eiffelturm das höchste Gebäude der Stadt.  Ganz oben gibt es eine Aussichtsplattform von der aus man einen wunderbaren Blick auf Paris und den Eiffelturm hat. Im September 2011 war ich wieder einmal für meine Firma in Frankreich und bin danach noch für ein paar Tage in Paris geblieben. Diesmal hatte ich mein Stativ mitgenommen um Nachtaufnahmen von Paris zu machen. Ich wollte natürlich auch Paris von oben, vom Tour Montparnasse aus fotografieren. Für 13 Euro bringt einen der Aufzug flott zur Freiluft-Terrasse auf der 59. Etage. Die Aussichtsplattform ist von einer Plexiglaswand umgeben, die auf Augenhöhe einen Schlitz hat, durch den man fotografieren kann. Leider hatte ich die lange Mittelsäule meines Stativs nicht dabei, so daß ich das Stativ gegen die Plexiglaswand lehnen mußte, um mit der Kamera durch den Schlitz fotografieren zu können. Nicht gerade die stabiliste Konstruktion.  Bei den Langzeitbelichtungen später am Abend mußte ich dann auch noch feststellen, daß der Boden der Plattform wackelt wenn Leute darauf herumlaufen. Nicht gerade ideal für Langzeitbelichtungen, man sollte versuchen, so kurz wie möglich zu belichten. Aber für den Sonnenuntergang war das kein Problem.

Leider hatte ich mit dem Wetter nicht so recht Glück. Kurz vor dem Sonnenuntergang tauchten am Horizont Wolken auf, was dafür sorgte, daß es an dem Abend keinen spektakulären Himmel zu sehen gab. Ich habe trotzdem einige Aufnahmen gemacht und möchte im folgenden  zeigen, wie man Bilder für einen stimmungsvollen, goldenen Sonnenuntergang bearbeitet.

Wenn ich einen Sonnenuntergang fotografiere, habe ich eigentlich immer mein Stativ dabei. Zum einen ist es beim Sonnenuntergang und vor allem danach oft schon recht dunkel, so daß man oft recht lange Belichtungszeiten benötigt. Zum anderen sind Kontraste zwischen dem Himmel und dem meist schon relativ dunklen Vordergrund oft so groß, daß ich mit Belichtungsreihen arbeite, um den Kontrastumfang zu bewältigen. Eine Alternative wären hier Grauverlaufsfilter, aber als ich 2011 in Paris war hatte ich noch keine Grauverlaufsfilter. Ich fotografiere immer im RAW-Format, da man so bei der Bearbeitung der Bilder mehr Reserven hat. Als Ausgangsmaterial dient mir folgende Belichtungsreihe:

Die Aufnahmen wurden bei konstanter Blende mit verschienden Belichtungszeiten aufgenommen: das erste bei 1/200 Sekunde, das zweite bei 1/400 Sekunde und das dritte bei 1/100 Sekunde. Das enstspricht je einer Blende Unterschied. Heute würde ich die Aufnahmen mit zwei Blenden Unterschied machen, um mehr Spielraum zu haben. Die Bilder sind unbearbeitet, ich habe nur den Horizont gerade gerückt und das Objektivprofil für das Nikon 16-85/3.5-5.6 VR, mit dem ich die Aufnahmen gemacht habe, auf die Bilder angewandt. Ich werde im folgenden mit Lightroom 4 und Photoshop arbeiten, es sollte aber kein größeres Problem sein, die Schritte auch mit anderen Fotoverwaltungs-/Bildbearbeitungsprogrammen nachzuvollziehen.

Das Ziel der Bearbeitung ist, eine warme Stimmung zu erzeugen. Darum habe ich erstmal die Farbtemperatur erhöht, damit das Bild wärmer wirkt. Ich probiere immer zuerst die vordefinierten Einstellungen von Lightroom durch. Die Einstellung Schatten erzeught mit 7500 Kelvin schon eine sehr schöne, warme Stimmung. Ich habe dann die Farbtemperatur noch auf 9000 Kelvin erhöht, um eine noch wärmere Stimmung zu erzeugen. Das Ergebnis erzeugt eine ganz andere Stimmung beim Betrachter als das Original:

Als nächsten Schritt erzeugt man mit Photoshop aus der Belichtungsreihe ein Einzelbild. Da die Sonne schon fast hinter den Wolken verschwunden ist, ist der Kontrastumfang nicht sehr hoch. Ich benutze deshalb das linke Bild für den Himmel und das rechte Bild für den Vordergrund. Um aus den beiden Bildern ein einziges Bild zu erzeugen öffnet man die Bilder in Photoshop (oder einem anderen Programm, das Ebenen beherrscht). Dann markiert man das dunklere Bild mit STRG-A und kopiert es mit STRG-C. Jetzt wechselt man zu dem dunkleren Bild und fügt das kopierte Bild mit STRG-V als neue Ebene ein:

Das Bild besteht jetzt aus zwei Ebenen, eine mit dem dunkleren Bild und eine mit dem helleren Bild. Als nächstes erzeugt man einen Ebenenmaske. Dazu klickt man auf die obere Ebene und dann auf das kleine Symbol mit dem Kreis unterhalb der Ebenen, neben dem Symbol mit den Buchstaben fx. Neben dem kleinen Vorschaubild der Ebene wird jetzt die Ebenenmaske angezeigt. Der Inhalt der Ebenenmaske bestimmt, ob die obere Ebene oder die untere Ebene angezeigt wird. Eine komplett weiße Ebenenmaske heißt, es wird nur die obere Ebene angezeigt, eine komplett schwarze Ebenenmaske bedeutet, die obere Ebene ist komplett transparent und es wird nur die darunterliegende Ebene angezeigt. Grau bedeutet, daß die obere Ebene teilweise transparent ist. Das machen wir uns jetzt zunutze, um die beiden Ebenen zu überblenden.

Wir benutzen das Verlaufswerkzeug und die Ebenenmaske, um die Ebenen zu überblenden. Zuerst stellen wir die Vordergrundfarbe auf Weiß und die Hintergrundfarbe auf Schwarz. Dann wählen wir das Verlaufswerkzeug aus (mit Photoshop läßt es sich bequem auswählen, in dem man die Taste g drückt). Dann klickt man auf die Ebenenmaske (das kleine, weiße Feld neben dem Vorschaubild der Ebene). Jetzt probiert man am besten einfach ein wenig herum wie man die beiden Bilder am besten überblendet. Ich habe hier einen relativ harten Übergang etwas unterhalb des Horizonts benutzt:

Ich finde den Vordergrund noch immer etwas zu dunkel. Da der Vordergrund eine eigenene Ebene ist läßt er sich problemlos aufhellen, ohne den Hintergrund zu beinflussen. Dazu klickt man auf die untere Ebene, dann erzeugt man eine neue Gradationskurven-Ebene:

Um die Ebenen auf eine einzige Ebene zu reduzieren, klickt man mit der rechten Maustaste auf die oberste Ebene und wählt Auf Hintergrundebene reduzieren. Da Das Bild relativ dunkel war, habe ich das fertige Bild mit Hilfe einer Gradationskurven-Ebene noch etwas aufgehellt. Das Ergebnis sieht dann so aus:

Ich hoffe, der Artikel war für den einen oder anderen hilfreich. Falls ihr noch fragen habt, schreibt einfach einen Kommentar unter dem Artikel oder schickt mir eine Nachricht über das Kontakt-Formular.