Tierfotos bearbeiten

Kurz vor Weihnachten habe ich mir das Sigma 120-300/2.8 OS gekauft. Am zweiten Weihnachtsfeiertag war der Wetterbericht einigermaßen gut und ich bin in den Wildpark Poing um mit meinem neuen Objektiv die Luchse zu fotografieren. Eigentlich hätte es nur ein kurzer Ausflug werden sollen, aber ich bin dann doch mehr als vier Stunden geblieben und habe dort einige meiner schönsten Tierfotos gemacht.

Der Wildpark Poing ist für Fotografen im Winter sehr interessant. Während die Luchse im Sommer oft in der Sonne liegen und dösen, laufen sie im Winter meistens im Gehege auf und ab und bleiben auch mal fotogen irgendwo sitzen. Durch die tiefer stehende Sonne sind die Kontrate auch weniger stark und Tiere im Schnee finde ich ganz besonders reizvoll. Ein Nachteil ist, daß im Winter die Lichtverhältnisse oft relativ schlecht sind. Das Luchsgehege im Wildpark Poing ist bei bedecktem Himmel relativ dunkel, so daß man selbst mit Blende 2.8 und ISO 800 oft nur 1/50 bis 1/100 Sekunden Belichtungszeit kommt. Dank des guten Stabi des Sigma 120-300 konnte ich aber auch bei diesen Belichtungszeiten noch gestochen scharfe Fotos aus der Hand machen.

Daheim am Rechner habe ich dann aus hunderten Fotos die besten rausgesucht und nachbearbeitet. Im folgenden möchte ich Schritt für Schritt anhand eines Fotos aus dem Wildpark Poing zeigen, wie ich Tierbilder nachbearbeite. Ich fotografiere grundsätzlich im Raw-Format, da sich das Raw-Format besser zur Nachbearbeitung eignet. Ich arbeite mit Adobe Lightroom und Adobe Photoshop, aber die Schritte sollten sich so oder so ähnlich auch mit anderen Raw-Konvertern und Bildbearbeitungsprogrammen nachvollziehen lassen.

Das ohne Anpassungen in Lightroom importierte Bild sieht folgendermaßen aus:

Das Bild wirkt ziemlich flau und die Farben sind recht blass. Als ersten Schritt habe ich die Helligkeit etwas reduziert, in dem ich Exposure in Lighroom etwas reduziert habe. Dann habe ich die hellen Stellen mit den Highlights und den Whites Reglern wieder etwas heller gemacht, was insgesamt den Kontrast vergrößert. Außerdem habe ich mit dem Vibrance Regler die Farben gesättigt und für die Gradationskurve Medium Constrast gewählt:

Ich verwende eigentlich immer den Vibrance-Regler und nicht den Saturation-Regler. Der Saturation-Regler erhöht die Intensität aller Farben, während der Vibrance-Regler nur die Intensität der weniger intensiven Farben erhöht. Das führt eigentlich immer zu schöneren Ergebnissen.

Alle Objektive verzeichnen ein wenig und vignettieren bei Offenblende. Mir persönlich gefällt zwar eine leichte Vignette bei Tierfotos oft recht gut, aber es ist besser, sie später wieder hinzuzufügen, da man so mehr Kontrolle über die Stärke und den verlauf hat. Verzeichnung und Vignettierung lassen sich in Lightroom korrigieren, in dem man Enable Profile Corrections auswählt und dann ein zum Objektiv passendes Profil auswählt. Zusätzlich sollte man noch Remove Chromatic Aberrations aktivieren, daß chromatische Abbildungsfehler korrigiert:

Dann habe ich das Bild im TIFF-Format exportiert, um es in Photoshop öffnen und weiter bearbeiten zu können. Das exportierte TIFF schaut schon deutlich besser aus als das Original:

Ich habe das Bild bei ISO 800 aufgenommen, um im dunklen Luchsgehege noch auf einigermaßen akzeptable Belichtungszeiten zu kommen. Die D7000 ist zwar bei höheren ISO-Werten recht gut, aber in 100%-Ansicht ist bei ISO 800 schon ein deutliches Rauschen zu sehen. Will man das Bild nacher nur in niedriger Auflösung im Web zeigen ist das kein Problem. Da mir das Bild aber wirklich gut gefällt und ich mir einen Druck an die Wand hängen möchte, habe ich das Bild erstmal entrauscht. Sowohl mit Lightroom als auch mit Photoshop lassen sich Bilder entrauschen, bessere Ergebnisse lassen sich allerdings mit speziellen Plugins für Photoshop wie zum Beispiel dem Noiseware Noise Removal Plugin erreichen, mit dem ich sehr gute Erfahrungen gemacht habe. Mit meiner D7000 bekomme ich bei ISO 800 mit der Einstellung Weaker Noise sehr schöne Ergebnisse:

Zur weiteren Bearbeitung werde ich die Nik Color Efex Filter für Photoshop benutzen. Nik Color Efex ist eine Filtersammlung für Photoshop und Photoshop Elements die viele nützliche Filter bereitstellt. Gleiche oder ähnliche Effekte lassen sich sicher auch so mit Photoshop erreichen, aber ich finde, daß man  mit Color Efex ohne viel Arbeit zu ansprechenden Ergebnissen kommt. Ich benutze noch Color Efex 3 daß man teilweise für deutlich unter 100 Euro bekommt.

Um das Auge zum eigentlichem Motiv, dem Tier zu lenken, dunkle ich meistens den Hintergrund etwas ab. Der Nik-Filter Darken / Lighten Center eignet sich dafür meiner Meinung nach besonders gut, da er einen sehr schönen und weichen Helligkeitsverlauf hat. Für mein Luchsbild habe ich folgende Einstellungen verwendet:

Hat man Nik Color Efex nicht, kann man auch mit Lightroom oder Photoshop eine Vignette hinzufügen. Man sollte aber darauf achten, daß der Verlauf weich ist und der Effekt nicht offensichtlich ist.

Als nächstes habe ich dem Fell des Luchses etwas mehr Struktur gegeben. Dazu eignet sich der Nik Color Efex Filter Tonal Contrast hervorragend.  Damit der Filter nur auf das Fell des Luchses, nicht aber auf den Hintergrund angewandt wird, muß der Luchs ausgewählt werden. Am schnellsten geht das mit dem Schnellauswahlwerkzeug, daß man mit einem Druck auf w auswählen kann. Damit läßt sich blitzschnell eine Auswahl um den Luchs erstellen:

Der Luchs muß nicht ganz exakt ausgewählt werden. Wählt das Schnellauswahlwerkzeug zuviel aus, kann man den ausgewählten Bereich durch drücken der Alt-Taste und klicken auf den ungewollt ausgewählten Bereich wieder verkleinern. Mit dem Tonal Contrast Filter kann man dem Fell jetzt mehr Struktur geben:

Ich habe hier alle Regler auf den Wert 10 gesetzt. Damit verstärkt man die Struktur des Fells dezent, ohne daß das ganze gleich unnatürlich wirkt. Wenn man kein Color Efex hat kann man dem Fell auch mithilfe einer Gradationskurven-Ebene mehr Struktur geben. Für die weitere Bearbeitung habe ich alle Ebenen auf die Hintergrundebene reduziert und die Auswahl aufgehoben.

Als letzten Schritt habe ich noch die Helligkeit der Augen des Luchses etwas erhöht. Dazu wählt man mit den Schnellauswahlwerkzeug die Augen aus. Um keine harten Übergänge zu erzeugen, kann man mit Auswahl -> Auswahl verändern -> Weiche Kante… oder mit den Tasten Strg + Alt + d eine weiche Kante erzeugen. Ich habe einen Wert von 20 Pixel benutzt:

Mit Hilfe einer Gradationsebene kann man jetzt die Augen etwas aufhellen, so daß sie besser zur Geltung kommen:

Das fertige Bild sieht dann folgendermaßen aus:

Die anderen Luchs-Bilder, die ich an dem Tag im Wildpark Poing gemacht habe, könnt ihr euch hier anschauen. Ich hoffe, der eine oder andere findet diese kurze Anleitung zum Tierfotos nachbearbeiten nützlich. Wenn ihr noch Fragen oder Anmerkungen habt, schreibt einfach einen Kommentar.