Lago di Sorapis

Vor zwei Jahren war ich im Herbst vier Tage auf der Seiser Alm in den Dolomiten beim Wandern. Bei perfektem Wetter bin ich auf den Schlern und zum Tierser Alpl, rund um Platt- und Langkofel, und den Adolf-Munkel-Weg unterhalb der imposanten Geisler-Nordwände gegangen. Nachdem im Jahr darauf das Wetter nicht mitgespielt hatte, wollte ich 2016 unbedingt wieder in die Dolomiten. Anfang Oktober bin ich dann für vier Tage nach Toblach, um die Pragser Dolomiten zu erkunden. Anders als vor zwei Jahren hatte ich mit dem Wetter aber nicht soviel Glück: als ich das Hotel gebucht hatte, war der Wetterbericht noch recht gut, je näher der Urlaub rückte, um so schlechter wurde er dann.

Gewohnt habe ich im Hotel Heidi in Toblach (das Bild ist am letzten Tag bei gutem Wetter auf dem Weg von den Drei Zinnen nach Hause entstanden):

Das Hotel ist gemütlich, das Frühstück reichhaltig und die Zimmer sind sauber und ruhig, obwohl das Hotel neben der Hauptstraße ist. Ein sehr schönes, empfehlenswertes Hotel.

Ich kam am Anreisetag gegen Mittag an und wollte die Zeit nutzen und noch eine kürzere Wanderung machen. Ich entschied mich für eine Halbtagestour zum Lago di Sorapis. Der Himmel war bedeckt, aber zumindest war kein Regen vorhergesagt. Nachdem ich das wichtigste ausgepackt hatte und noch kurz was gegessen hatte, war es schon nach halb zwei und ich fuhr etwas gestresst los. Ausgangspunkt der Tour war der Tre Croci Pass hinter Cortina d’Ampezzo. Leider fuhr ich in Cortina d’Ampezzo erstmal an der Abzweigung zum Tre Croci Pass vorbei und es wurde immer später und ich wurde langsam nervös. Schließlich machte ich kehrt und fand die Abzweigung. Auf dem Paß wurde ich dann in einer Kurve von einem Einheimischen überholt und ich fragte mich, wie der wissen kann daß keiner von oben kommt. Die etwas verstörende Antwort ist vermutlich, daß er es nicht wissen kann.

Schließlich kam ich an einem großen Parkplatz oben am Paß an. Ein kurzer (zu kurzer, wie sich später herausstellen sollte) Blick auf die Karte verriet mir, daß der Weg ein Stück weiter unten losging. Ich stellte das Auto dort ab und ging erstmal ein ganz schönes Stück nach unten (hier hätte ich allmählich wirklich mißtrauisch werden sollen, da der Lago di Sorapis überhalb des Passes lag, nicht unterhalb). Zuerst folgte ich einem breiten Forstweg, der durch eine liebliche Landschaft führte:

Nach fast einer Stunde wurde der Weg dann steiler:

Irgendwie schienen mir die zwei Stunden zu dem See langsam nicht mehr sehr logisch, war ich doch bis jetzt nur runtergelaufen und nicht rauf. Ein genauerer Blick auf die Karte ließ mich das ganze Unheil begreifen: der Weg den ich gegangen bin führt zwar auch zum Lago di Sorapis, aber es zwar nicht der Weg aus dem Wanderführer und ich hatte noch viele hundert Höhenmeter vor mir, und es wurde langsam richtig spät. Umdrehen wollte ich aber noch nicht. Die Landschaft wurde langsam spektakulärer:

Irgendwie lief an dem Tag (fast) alles schief: plötzlich baumelte die Kamera mitsamt dem teuren 12-40/2.8, die ich für ein paar Fotos um den Hals gehängt hatte, lose hin und her und ich wunderte mich wie das sein kann. Ich griff nach der Kamera und merkte, daß sich das Band auf einer Seite gelöst hatte. Die Öse an der das Band befestigt war, hatte sich einfach gelöst. Ich hatte geschwitzt und der Kameragurt klebte mir am Hals. Das hatte die Kamera davor bewahrt, mitsamt dem teuren Objektiv irgendwo den Abhang hinunter zu fliegen. Aber am Ende wars wohl doch richtig Glück.

Wegen dem schlechten Wetter beschränkte ich mich darauf, Details zu fotografieren:

In der Zwischenzeit war es schon ne halbe Stunde vor Sonnenuntergang. Eigentlich wirklich Zeit zum Umkehren. Ich hatte es aber fast zum Lago di Sorapis geschafft und ein paar Fotos vom See wollte ich dann doch noch machen:

Der ganze See

Ich stieg so schnell wie möglich wieder ab, um wenigstens den schwierigen Teil der Tour hinter mich zu bringen, bevor es dunkel wurde. Ich hatte eine Stirnlampe eingesteckt, der Forstweg würde mir keine Probleme bereiten.

Der Rückweg hatte dann aber doch noch eine etwas unangenehme Überraschung zu bieten: in der Zwischenzeit war es stockdunkel und aus den Wäldern war immer wieder ein lautes Fauchen und Knurren zu hören. Eigentlich sollte es da ja keine gefährlichen Tiere geben, aber ich muß zugeben daß mir schon ganz schön mulmig wurde. Ich war jedenfalls heilfroh als ich endlich beim Auto ankam. Ich nehme an, daß das Fauchen und Knurren von Wildschweinen stammte.

Die Tour ist wirklich sehr schön und ich muß unbedingt nochmal bei schönem Wetter zu dem See. Nächstes mal werde ich aber den direkten Weg nehmen, der zwar etwas schwieriger ist, dafür aber deutlich kürzer. Und vor allem spart man es sich, erstmal ewig abzusteigen.

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