Blütenzauber

Es fasziniert mich jedes Jahr aufs Neue, wie die Natur nach dem langen, kalten Winter im Frühjahr erwacht: überall wachsen Blumen, die Vögel kehren zurück und singen ihre Lieder, die Tiere erwachen aus ihrem Winterschlaf und werden wieder aktiv. Für mich als Naturfotograf ist das eine tolle Zeit: unzählige Motive für die man oft nicht weit fahren muß, weil Blümchen ja überall wachsen.

Den Anfang machen die Schneeglöckchen und die Märzenbecher, die je nach Länge des Winters im Februar oder März blühen. Dieses Jahr habe ich mich am Ammersee auf die Suche nach Märzenbechern begeben und einen ganzen Wald voll gefunden. Märzenbecher brauchen Feuchtigkeit, sie wachsen oft in der Nähe von Bächen in Wäldern.  Wie so oft mußte ich dann aber die Erfahrung machen, daß es trotz tausender Blümchen gar nicht so leicht ist, ein gutes Bild zu machen: der Waldboden ist nach dem Winter noch braun und unansehnlich und es ist schwer, einzelne Blümchen freizustellen. Als ich schon auf dem Rückweg zum Auto war fand ich dann doch noch einige Märzenbecher an einem Hang, die man super fotografieren konnte:

Nach den Märzenbechern blühen die Leberblümchen und die Kuhschellen. Leberblümchen wachsen so gut wie überall in den Wäldern, aber als Fotograf steht man natürlich vor der Herausforderung, eine schöne Stelle zu finden, wo man sie schön in Szene setzen kann. In Andechs habe ich einige schöne Stellen gefunden, wo Leberblümchen an einem Hang wachsen und man sie gut freistellen kann:

Kuhschellen sind für Naturfotografen sicher eines der beliebtesten Fotomotive: sie sind relativ selten, haben sehr fotogene Blüten und im Gegenlicht leuchten die feinen Härchen wunderbar. Im Großraum München ist die Garchinger Heide bekannt für ihr reiches Vorkommen an Kuhschellen. Auch ich war dort seit ich ernsthaft zu fotografieren begonnen habe, so gut wie jedes Jahr.  Ein kleineres Kuhschellen-Vorkommen gibt es auch in Andechs. Nachdem ich bei den Leberblümchen war, bin ich noch dorthin gefahren, um zu schauen ob es schon Kuhschellen gibt. Es war recht windig und auch diesig, ich bin aber trotzdem geblieben und mir sind einige gute Fotos gelungen:

Es waren noch zwei andere Fotografen da, die die Kuhschellen mit Wasser bespritzt haben. Beim Fotografieren ist mir das gar nicht aufgefallen, erst daheim beim Bearbeiten der Bilder hab ich die “Tautropfen” gesehen.

Bei Thalham an der Mangfall gibt es auch jede Menge Leberblümchen und wir waren auch dieses Jahr wieder dort, um sie zu fotografieren. Das für mich schönste Bild zeigt aber ein Buschwindröschen, die Leberblümchen sieht man nur unscharf im Hintergrund:

Es ist gerade dieses Spiel mit dem Hintergrund, daß für mich einen großen Teil der Faszination der Blümchenfotografie ausmacht.

Die nächsten beiden Bilder sind auf dem Weg nach Fürstenfeldbruck entstanden. Ein paar Tage vorher bin ich entlang der Amper von Schöngeising nach Fürstenfeldbruck und zurück gejoggt. Beim Kloster Fürstenfeldbruck hab ich noch ein paar Schneeglöckchen im Wald entdeckt, die ich am Morgen vor der Arbeit fotografieren wollte. Die Schneeglöckchen waren dann zwar schon verblüht, aber auf dem Weg dorthin konnte ich diese schöne Stimmung einfangen:

Zugegeben, die Vögel sind nicht echt, aber ich finde sie passen wunderbar zu der Stimmung und ich spiele auch ganz gerne mal mit Photoshop herum.

Krokusse blühen für gewöhnlich recht früh, aber in höheren Lagen in den Bergen dauert es etwas länger bis sie blühen, man findet auch im April und Mai noch Krokusse. Mitte April sind wir mit den Kindern zum Picknicken und Blümchen fotografieren an den Geroldsee gefahren.Von der Zeit hätte es super gepaßt, aber leider hatte der Bauer die Wiese schon gemäht. Nur am Rand gab es noch einen schmalen Streifen mit einigen Krokussen:

Der Blick auf den Geroldsee ist immer wieder faszinierend:

Neben dem Fotografieren bin ich auch sehr gerne in den Bergen unterwegs. Die folgenden Bilder sind alle bei Bergtouren rund um München entstanden.

Eine schöne, südseitige Wanderung mit tollem Blick auf den Zahmen Kaiser, die man schon früh im Jahr gehen kann, führt von Winkl bei Walchsee im Kaiserwinkl auf das Lochnerhorn, dann weiter auf den Wandberg und schließlich auf den Brennkopf, von dem es dann zurück zum Ausgangspunkt geht. Schon der Aufstieg bietet eine tolle Aussicht:

Etwas weiter oben hat man dann einen tollen Blick auf das gesamte Kaiser-Massiv und den Walchsee:

Knapp unterhalb des Lochnerhorns waren die Wiesen dann voll mit abertausenden Krokussen:

Beim Abstieg kommt man noch am schönen Lochner Wasserfall vorbei:

Eine wirklich schöne, aussichtsreiche Tour, die sich wegen der geringen Höhe und der südseitigen Lage im Frühjahr anbietet.

Der Jochberg ist sicher die klassische Frühjahrstour im näheren Umkreis von München. Nicht allzu hoch, meist schon relativ früh schneefrei und ein grandioses Panorama. Leider wissen das auch entsprechend viele Leute. Als ich um kurz vor acht morgens am Parkplatz auf der Kesselberghöhe ankam, war der schon voll, das ließ nichts Gutes erahnen. Ich konnte mein Auto grad noch so an den Rand quetschen und wunderte mich beim Aufstieg, daß mir schon Leute entgegenkamen, die wieder runtergingen.

Der Blick vom Jochberg auf Walchensee und Kochelsee ist natürlich einfach genial:

Als ich am Gipfel ankam, saßen schon einige Leute dort, aber wirklich voll war es nicht. Das sollte sich allerdings noch ändern. Zuerst einmal fotografierte ich aber in Ruhe Schlüsselblumen und Krokusse mit Walchensee und Kochelsee im Hintergrund:

Es war etwas diesig, dadurch ergab sich im Gegenlicht eine wunderbare Staffelung der Berge:

Leider kamen dann immer mehr Leute am Gipfel an, und irgendwann wurde es mir zuviel und ich bin “geflohen”. Beim Abstieg kamen mir gefühlt hunderte von Leuten entgegen und ich wollte nur noch weg. Ich hab sicher nichts gegen ein paar Leute in den Bergen, aber so ein Massenauflauf ist mir einfach zu viel. Trotzdem wars eine schöne Tour und der Ausblick von dem kleinen Berg sucht einfach seinesgleichen.